KHV (Koi-Herpes-Virus)
Zu KHV und Quarantäne:
KHV (Koi-Herpes-Virus) ist eine neue Krankheit, an der nur Koi und Karpfen sterben. Andere Fische können den Erreger allerdings verbreiten.
Der Virus tritt vor allem bei Wassertemperaturen ab 15°C auf, die größten Probleme gibt es zwischen 20-25°C, ab 30°C arbeitet das Virus nicht mehr. Oft kommt es zu den Verlusten ca. 10-14 Tagen, nachdem man neue Fische eingesetzt hat. Das Virus kann aber zeitlebens auch im Koi "schlummern" und erst nach Jahren ausbrechen. Das ist ähnlich dem Lippenherpes beim Menschen. Damit sind die meisten Menschen infiziert, trotzdem bricht es erst nach Jahren aus. Es gibt immer wieder Fälle, wo KHV im Teich ausgebrochen ist, obwohl jahrelang keine neuen Fische eingesetzt wurden.
Die typischen Erkennungsmerkmale am Koi: er steht anfangs apathisch alleine im Wasser und schwimmt kaum noch, magert sehr schnell ab, bekommt oft eingefallene Augen, die Kiemen bekommen weißliche Flecken. Der Fisch stirbt innerhalb von 1-2 Tagen. (Diese Merkmale gibt es aber auch bei anderen Krankheiten!!!)
Um Koi auf KHV zu testen, wird in speziellen Laboren eine sogenannte PCR-Analyse durchgeführt. Um einigermaßen sichere Ergebnisse zu bekommen, muss dazu der Fisch getötet werden. Man kann auch eine Kiemenprobe vom lebenden Fisch untersuchen, diese Ergebnisse sind aber nicht so sicher.
Es gibt trotzdem bei der PCR-Analyse keine 100%igen Ergebnisse, da sich das Virus oft im Fisch "versteckt".
Bei uns werden alle neuen Koi mind. 2-4 Wochen bei Wassertemperaturen von ca. 20-25°C in Quarantäne gesetzt und jede Partie stichprobenartig getestet. Trotzdem können wir keine 100%ig KHV -Freiheit-Garantie geben, da die PCR-Analysen nicht 100%ig sind und wir logischerweise nicht alle Fische töten können. Deshalb wird aus jeder Sendung von jedem Züchter eine Probe zu den Laboren geschickt.
Es gibt inzwischen kein Land mehr, in dem es kein KHV gibt.
aktuell 2011:
Quelle Greenepeace
http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=55&tx_ttnews[tt_news]=114953&tx_ttnews[backPid]=54&cHash=4d3269523662d3d8dfb2a55fb7c41f06www.greenpeace-magazin.de/index.php
Koi-Herpesvirus bedroht Karpfenbestände
Münster (dpa) - Ein aggressiver Herpesvirus bedroht weltweit die Karpfenbestände - ein Gegenmittel ist nicht in Sicht. Diese ernüchternde Bilanz zogen deutsch-japanische Wissenschaftler bei einem Expertentreffen zum Problem des sogenannten Koi-Herpesvirus am Dienstag an der Universität Münster. «Wir können bislang keine Lösung anbieten», sagte der Biologe Prof. Arndt Telschow. Das Virus ist nicht nur für Kois, sondern auch andere Karpfenarten tödlich.Einer Untersuchung der Bundesländer zufolge sind 60 Prozent der deutschen Teiche infiziert. «Bislang gibt es aber keine verlässliche Erhebungsmethode», sagte Prof. Dieter Steinhagen von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. In Deutschland sind besonders Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg und Sachsen betroffen.
Dass sich der Koi-Herpes so rasant ausgebreitet habe, sei eine Folge des globalisierten Handels, sagte Telschow. «Erst durch den Export gelangte das Virus, das erstmals bei gezüchteten Koi-Karpfen in Asien festgestellt wurde, auch in deutsche Gewässer.»
Ähnlich wie Menschen das Lippenherpes-Virus nicht gleich spüren, können auch Karpfen das Virus längere Zeit unerkannt in sich tragen - ein Problem für die Bestandsaufnahme. Kommt es zum Ausbruch, sind die Folgen dramatisch. 80 bis 100 Prozent der erkrankten Fische sterben spätestens nach zwei Wochen. Da infizierte Karpfen das Virus weiter verbreiten, sind schnell ganze Bestände betroffen. Bei anderen Fischarten ist bisher kein tödlicher Ausgang der Erkrankung bekannt." Ende Quelle Greenepeace
AKTUELL NOVEMBER 2009:
Man hat in 2009 eine steigende Eigenimmunität bei KHV bemerkt, das heißt, wenn KHV in einen Teich gelangt sterben nur noch wenige Fische, die Fische sind nicht mehr so anfällig. Dazu ein Artikel aus "Fischer und Teichwirt" aus November 2009:
KHV ist auch ein Problem in der bayrischen Karpfenteichwirtschaft. Aus diesem Grund veranlasste das bayrische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ein KHV Monitoring in der bayrischen Karpfenteichwirtschaft durchzuführen. Das Ergebniss denke ich ist auch für den Koihandel und die Koihalter von Interesse.
Ich gebe hiermit einen Artikel wieder der im Heft 11 von Fischer und Teichwirt veröffentlicht wurde. Verfasser ist Herr Dr. Dieter Piwernetz
Im Jahre 2008 wurde die Verbreitung des KHV in bayerischen Karpfenteichen flächendeckend untersucht. Dies lässt sich am sichersten mit der Suche nach Antikörpern in Karpfen bewerkstelligen. Der ELISA-Test (Durch diesen Test kann festgestellt werden, ob und wieviele Antikörper ein Fisch gegen eine bestimmte Infektion gebildet hat. Der ELISA-Test weist im Gegensatz zur PCR-Methode also nicht Teile des Erregers nach, sondern zeigt die im Fisch erfolgte Immunreaktion in Folge der Infektion auf und ist damit ein indirekter Nachweis für eine zeitlich zurückliegende Infektion mit dem KHV-Virus) ist dafür eine geeignete und sichere Untersuchungsmethode. Die amtlich vorgeschriebene PCR-Methode liefert keine zuverlässige Aussage über die Verbreitung des KH-Virus. Sie ist gegenwärtig zwar die sensitivste der direkten Nachweismethoden, liefert aber bei latent infizierten Fischen und bei Temperaturen unter 12°C keine sicheren Ergebnisse. Ein negativer Befund gibt bekanntlich keine Gewissheit, dass Fische nicht doch mit KHV infiziert sind. Ein entscheidender Nachteil der PCR Methode ist, dass bei einem positiven Befund der Betrieb entsprechend der bestehenden Rechtslage angezeigt werden muss und geschlossen werden kann.
Das KHV-Monitoring in bayrischen Teichen ergab, dass im Landesdurchschnitt bei 63% der untersuchten Betriebe Antikörper in Karpfen nachgewiesen werden konnten, 21% der Betriebe wurden als Verdächtig eingestuft und in 16% der Betriebe waren keine Antikörper nachweisbar. somit ist erwiesen, dass in 84% der untersuchten Bestände, also bei einem Großteil der untersuchten Karpfen, ein Kontakt mit dem KH-Virus stattgefunden hat.
In Bayern sind im Untersuchungsjahr 2008, aber auch 2009, keine oder nur geringe Ausfälle durch KHV aufgetreten. Das beweist, dass bei Karpfen in der zurückliegenden Zeit eine natürliche Imunisierung mit dem KH-Virus unbemerkt und ohne auffällige Verluste stattgefunden hat. Damit wird die im Fischer und Teichwirt schon immer vertretene Auffassung bestätigt, dass KHV Erkrankungen eben "keine aktuelle Seuche" sind. Schon vor zwei Jahrzehnten wurden immer wieder Karpfen zur Untersuchung gebracht, die an einer damals undefinierbaren Kiemenerkrankung verendet waren. Die Ursache konnte nicht gefunden werden, weil das Virus noch nicht bekannt war. Doch die Symptome und der Krankheitsverlauf waren genau die gleichen wie bei der heutigen KHV-Erkrankung. Aus praktischer Erfahrung haben wir deshalb immer wieder betont, dass es sich bei KHV um eine längst vorhandene und heute ubiquitär verbreitete Fischkrankheit handeln muss. Das ist ja auch logisch, denn das Virus kann sich mit dem fliessenden Wasser von Teich zu Teich und in alle Fliesgewässer ausbreiten. Die Ergebnisse des bayerischen KHV-Monitorings bestätigen nun diese Auffassung.
Alle Programme, die versuchen KHV als lokalisierbare Seuche auszurotten, sind schon im Ansatz als verfehlt zu betrachten und müssen erfolglos sein. Das KH-Virus lässt sich nicht mehr eingrenzen oder ausrotten: es ist längst überall vorhanden, in Teichen wie in Fließgewässern.
Aus alledem gibt es nur eine Konsequenz: KHV hat nichts in Anhang 4 der EU_Fischseuchenrichtlinie 2006/88(BG vom 24.10.2006 verloren; KHV ist dort zu streichen. KHV als anzeigenpflichtige Krankheit in Deutschland einzustufen, war ein unüberlegter Schnellschuss. Die deutschen, österreichischen und tschechischen Fischzuchtverbände legen deshalb der EU-Kommission eine Resolution vor und fordern, dass KHV aus der Liste exotischer Seuchen gestrichen wird.
Wer sich noch genauer für das Monitoring interessiert, dem sende ich gerne den ganzen Bericht zu.
Momentan läuft ein Monitoring über die Verbreitung von KHV in Wildfischbeständen
Aktuell Sommer 2010:
In Österreich wurden 93 Freigewässer (Karpfenteiche, Flüsse usw.) auf KHV untersucht. Obwohl keine kranken Fische gefunden wurden, wurden in etwa jedem 6.Gewässer der KH-Virus festgestellt. Fazit: Inzwischen ist der Virus so verbreitet, das eine Meldepflicht und Bekämpfung keinen Sinn mehr macht.
In Israel wird anders vorgegangen: Bei den Züchtern der Farmen von ehemals Mag Noy werden die Koi seit 2006 gegen KHV geimpft.
Der Vorteil: diese Koi erkranken nicht mehr an KHV.
Nachteil: Man weiß noch nicht, wie lange der Impfschutz anhält ( mindestens 2-3 Jahre, leider gibt es noch keine längeren Erfahrungswerte). Eine Nachimpfung ist in Deutschland noch nicht möglich. Sollten geimpfte Fische mit dem echten KHV-Erreger in Berührung kommen, können sie trotzdem infiziert werden, erkranken aber nicht und sterben auch nicht. Aber: diese Koi können zumindest eine zeitlang den Erreger verbreiten. Nur durch die Impfung wird KHV nicht verbreitet, wie oft behauptet wird, sondern nur, wenn der Koi gleichzeitig mit mit echten Erreger infiziert ist!![]()
Früher, vor 2006 wurden die Koi immunisiert, d.h. die Koi wurden absichtlich mit dem echten Erreger infiziert, dann wurde das Wasser auf 32°C erwärmt, so das der Erreger nicht mehr arbeitet, der Koi aber Antikörper bilden konnte, dadurch war er immun gegen KHV. Die Koi blieben aber zeitlebens infiziert und Träger (Carrier) von KHV und konnten KHV weiterverbreiten.
Es gibt einen großen Unterschied zwischen immunsieren und impfen!
In Deutschland werden inzwischen grad wegen der KHV-Problematik immer mehr Koi selber gezüchtet. Diese Koi sind sicher die sichersten Koi (aber auch nicht 100%ig sicher). Deutsche Koi sind auch unempfindlicher gegen andere Krankheiten und unser Klima. (Wenn Sie in Teichen und nicht in Hallen gezüchtet wurden). Leider können aber noch nicht genügend Mengen in ausreichender Farbqualität gezüchtet werden. Inzwischen ist KHV in Deutschland weit verbreitet, deshalb ist gar kein Koi mehr wirklich sicher.
Man vermutet, dass in Deutschland mindestens 10% der Gartenteiche und noch weit mehr der Freigewässer KHV-Kontakt hatten/ haben.
Kein Händler oder Züchter kann noch ernsthaft eine KHV-Freiheit garantieren, da die Krankheit inzwischen soweit verbreitet ist. Selbst wenn sie KHV-freie Fische kaufen, ist die Gefahr gegegen, dass diese sich beim Altbestand oder anderen Fische anstecken.
Kunden sollten beim Koikauf immer eine Quarantäne über mind. 3 Wochen mit mindestens einem zusätzlichen Fisch aus dem Altbestand durchführen. Dies gilt insbesondere für den Mitimport.
